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Solarlokal Report · Stadt-Check Köln

22.732 aktive PV-Anlagen, 275 Megawatt installierte Leistung, jährliches Anlagenwachstum bei +27,6 Prozent. Köln ist der westdeutsche Großstadt-Benchmark im Solarausbau.

In absoluten Zahlen liegt Köln vor Frankfurt, Düsseldorf und Essen. Pro Einwohner allerdings landet die Stadt mit rund 269 Watt deutlich unter dem Bundesschnitt von 1.576 Watt. Eine Million Menschen auf vergleichsweise wenig Dachfläche bremst die Pro-Kopf-Bilanz.

Doch wie kann eine dicht bebaute Großstadt wie Köln trotzdem konstant wachsen, und für wen lohnt sich PV in der Domstadt heute wirklich? Genau das analysiert dieser Solarlokal Report auf Basis aktueller Daten aus dem Marktstammdatenregister und im direkten Vergleich mit anderen westdeutschen Großstädten.

Köln auf einen Blick
Aktive PV-Anlagen 22.732
Installierte Leistung 275,4 MW
Anlagen-Wachstum 2024 → 2025 +27,6 %
Leistung-Wachstum 2024 → 2025 +23,9 %
Zubau 2025 (Anlagen) 4.445
Davon Balkonkraftwerke 6.918 (30 %)
Pro-Kopf-Leistung 269 W / EW
Solar-Versorgungsgrad 5,8 %

Warum Köln den Großstadt-Benchmark setzt

Mit 22.732 aktiven PV-Anlagen liegt Köln in absoluten Zahlen vor allen anderen westdeutschen Großstädten über 500.000 Einwohner. Frankfurt am Main kommt auf 15.103 Anlagen, Essen auf 11.454, Düsseldorf auf 11.309.

StadtAktive AnlagenInstallierte LeistungW / Einwohner
#1Köln22.732275,4 MW269 W/EW
#2Essen15.103146,9 MW256 W/EW
#3Bonn11.45491,0 MW274 W/EW
#4Düsseldorf11.309156,6 MW264 W/EW
#5Mülheim11.189134,5 MW780 W/EW
#6Frankfurt am Main11.085128,8 MW170 W/EW
#7Duisburg6.83061,4 MW126 W/EW
#8Münster5.86272,2 MW226 W/EW

Die schiere Größe macht den Unterschied. Köln hat über eine Million Einwohner, gut 100 Prozent mehr als Düsseldorf. Mehr Einwohner bedeutet mehr potenzielle Dachflächen, mehr Gewerbestandorte und mehr Eigenheime in den Randbezirken.

Anders sieht es bei der Pro-Einwohner-Betrachtung aus. Hier liegen mittlere NRW-Großstädte wie Mülheim oder Düsseldorf vor Köln.

Westdeutsche Großstädte im Pro-Kopf-Vergleich
Mülheim780 WBonn274 WKöln269 WDüsseldorf264 WEssen256 WMünster226 WFrankfurt am Main170 WDuisburg126 W

Köln kommt auf rund 269 Watt PV-Leistung pro Einwohner. Mülheim auf 780 Watt. Die Erklärung ist nicht Klimapolitik, sondern Bebauungsstruktur. Mülheim hat mehr Einfamilienhäuser pro Einwohner als Köln. Pro freier Süddach-Fläche gerechnet, ist der Unterschied schnell gesehen.

Was das in Zahlen heißt

Zwischen 2020 und 2025 hat sich der Kölner PV-Zubau mehr als versiebenfacht. 613 neue Anlagen kamen 2020 ans Netz, 4.445 waren es 2025. Der Sprung kam mit dem Jahr 2023, in dem die Mehrwertsteuer auf private PV-Anlagen weggefallen ist.

Köln Zubau pro Jahr, neue Anlagen
01.2422.4843.7264.968NEUE ANLAGEN613202084620211.58620224.87220234.96820244.4452025

Das Wachstum ist nicht mehr exponentiell, aber stabil. Drei Jahre in Folge (2023, 2024, 2025) lag der Zubau bei über 4.400 neuen Anlagen pro Jahr. Auch im Sprachgebrauch der Branche ein Plateau auf hohem Niveau.

Wer in Köln aktuell installiert

Die Anlagen-Mix-Statistik zeigt, wer den Kölner Markt trägt. Klassische Dach-PV stellt mit 15.808 Anlagen den größten Anteil, dazu kommen 6.918 Balkonkraftwerke (30 Prozent aller Anlagen). Freiflächen-PV spielt in Köln keine Rolle, die wenigen kleinen Flächen sind eher Bahn-Lärmschutz und Logistik-Konversionen.

Wer Eigentum hat, baut. Drei von vier neuen Kölner PV-Anlagen entstehen auf Eigenheim-Dächern, vor allem in den Stadtteilen Rondorf, Zündorf, Porz und Nippes. Wo Familien-Häuser mit Süddach-Fläche stehen, geht klassische Dach-PV mit 8 bis 12 kWp.

Mieter kommen über den Balkon. Innenstadt, Ehrenfeld und das linksrheinische Bickendorf sind die Hotspots für Balkonkraftwerke. Über 30 Prozent aller Kölner PV-Anlagen sind heute Steckersolargeräte. Sie bringen wenig Leistung pro Stück, aber summieren sich.

Gewerbe hängt zurück. Im Vergleich zu Eigenheim-PV wächst die Gewerbe-Dachanlage in Köln langsamer. Viele Industriedächer der 70er und 80er Jahre haben Asbest oder andere statische Probleme, die eine Sanierung erst notwendig machen. Hier liegt das größte ungenutzte Potenzial der Stadt.

Datenbasis Alle Zahlen sind eigene Auswertungen des Bundesnetzagentur-Marktstammdatenregisters (Stand 20. Mai 2026), gefiltert nach Gemeindeschlüssel 05315000 (Köln). Die Pro-Kopf-Werte basieren auf den aktuellen Einwohnerzahlen von Destatis 2024.

Was Hausbesitzer in Köln wissen müssen

Landesförderung progres.NRW. Nordrhein-Westfalen fördert PV-Anlagen mit Speicher über das progres.NRW-Programm. Aktuell 200 € pro Kilowattstunde nutzbare Speicherkapazität, maximal 2.000 € pro Anlage. Der Antrag läuft online, muss aber vor der Bestellung gestellt werden.

Solarpotenzial-Kataster der Stadt Köln. Die Stadt betreibt unter solarkataster.koeln.de eine kostenlose Karte, die für jedes Kölner Dach die theoretische PV-Eignung anzeigt. Vor dem ersten Solateur-Termin lohnt sich ein Blick. Wer dort ein „sehr gut“ sieht, kann eine knappe Wirtschaftlichkeit ausschließen.

Denkmalschutz im Blick haben. Köln hat über 9.500 denkmalgeschützte Gebäude, viele davon in der Altstadt, in Lindenthal und in den Veedeln rund um die Ringe. Eine PV-Anlage auf einem solchen Dach braucht eine Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde. Die Praxis ist heute wesentlich pragmatischer als noch vor fünf Jahren, eine Anfrage vorab erspart aber Diskussionen.

Netzanschluss eher unkritisch. Köln hat eine modern aufgebaute Niederspannungs-Infrastruktur, der Netzbetreiber Rheinische NETZGesellschaft genehmigt Anlagen unter 30 kWp in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen. Über 30 kWp werden Wartezeiten möglich, aber selten kritisch.

Lohnt sich PV in Köln noch?

Kurze Antwort: Für Eigenheim-Besitzer ja, mit Speicher fast immer. Für Mieter über ein Balkonkraftwerk ist die Amortisationszeit besonders attraktiv.

Mit rund 1.113 kWh pro kWp Jahresertrag liegt Köln im NRW-Mittelfeld. Die EEG-Einspeisevergütung von 8 ct pro kWh ist gering, aber Eigenverbrauch ersetzt Bezugsstrom für 35 bis 42 ct. Genau dort liegt der Hebel.

Beispielrechnung. Eine 8 kWp-Anlage mit 8 kWh-Speicher kostet in Köln 2025 im Schnitt 16.000 €. progres.NRW-Förderung 1.600 €. Stromkosten-Ersparnis: rund 950 € pro Jahr. Amortisation: 12 bis 14 Jahre.

Für ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt liegt die Rechnung anders. Anschaffung 400 bis 700 €, Stromersparnis 60 bis 100 € pro Jahr. Amortisation: 4 bis 7 Jahre. Vor allem für Haushalte mit hohem Grundverbrauch oder Home-Office ist das ein klarer Hebel.

Was Köln zeigt

Köln ist der Beweis, dass eine dicht bebaute Großstadt nicht zwangsläufig Solar-Schlusslicht sein muss. Mit 22.732 Anlagen liegt die Stadt zwar im Pro-Kopf-Vergleich hinter Mülheim oder Düsseldorf, hat aber das größte absolute Wachstum aller westdeutschen Großstädte über 500.000 Einwohner. Die Domstadt holt nicht durch Quoten auf, sondern durch Volumen.

Die nächste Etappe wird im Gewerbe-Dach passieren. Wer die Logistik-Hallen in Marsdorf, die Bürobauten am Rheinauhafen und die Supermarkt-Dachflächen in Porz aktiviert, kann die Kölner Solar-Leistung in drei Jahren verdoppeln. Hier liegt der eigentliche urbane Stellhebel.


Datenquellen: Bundesnetzagentur Marktstammdatenregister (Stand 20. Mai 2026), Destatis-Bevölkerungsfortschreibung, Stadt Köln (Klimaschutzbericht), progres.NRW-Förderdatenbank, eigene Berechnungen.

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